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Heidelberg

„HIVE MIND“ - CHOREOGRAFISCHES THEATER VON KATE ANTROBUS

Alexandra Karabelas im Gespräch mit Kate Antrobus und Sebastian Schwarz



Es ist ein bekanntes Phänomen im Tanz, dass Frauen oft viele Jahre tanzen, als Tänzerin arbeiten, und dann für eine geraume Zeit aus der Szene verschwinden.


  • Kate Antrobus-Thorweihe Foto © G. Krämmer

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Frauen oft viele Jahre tanzen, als Tänzerin arbeiten, und dann für eine geraume Zeit aus der Szene verschwinden, bis sie wieder zurückfinden. Meist haben diese Frauen ein großes Wissen und tragen es nicht zu Markte. Kate Antrobus ist eine von diesen Frauen.

Viele Jahre nach ihrem Abschied von der Bühne entwickelt die langjährige Heidelberger Kresnik-Tänzerin und Choreografin Kate Antrobus derzeit eine neue Performance für zehn junge Erwachsene. „Hive Mind“ im Rahmen des 720-Stunden-Festivalhappenings des UnterwegsTheaters in der HebelHalle Heidleberg lotet Spielmöglichkeiten zwischen Schauspiel und Tanz aus und bezieht unterschiedliche Quellen ein, unter anderem Leben und Funktionsweise von Bienenvölkern, um verschiedene Daseinszustände und –ordnungen zu durchleuchten. Unterstützt von dem Theaterpädagogen und Schauspieler Sebastian Schwarz, entsteht über die Zustände Chaos, Ruhe und das Bedürfnis nach Ordnung eine aktuelle Form des Choreografischen Theaters im „Community Dance“-Bereich.

Kate Antrobus arbeitet derzeit als Residenzchoreografin der neuen Förderschiene „Linie 26 - TANZ LOKAL Metropol“ am Choreographischen Centrum Heidelberg. Alexandra Karabelas sprach mit Antrobus und Schwarz.

Kate, die jahrelange Arbeit mit Hans Kresnik in den 1980er Jahren in Heidelberg und danach mit Liz King hat Dein Verständnis von Bühnentanz geprägt. Worin liegt für Dich der Unterschied zwischen dem Choreografischen Theater und dem Tanztheater?

Ich denke der Grund, dass ich für „Hive Mind“ den Begriff des Choreografischen Theaters anstelle des Tanztheaters gewählt habe, liegt darin, dass nach so vielen Jahren gemeinsamer Arbeit mit Johann Kresnik und Liz King der Begriff des Tanztheaters für mich persönlich von deren Art und Weise des Arbeitens überlagert ist. Der Begriff Tanztheater entstand Anfang 1980 und beschreibt den damals üblichen choreografischen Stil. Ich versuche mit „Hive Mind“ meine eigene Art Performance zu machen und wähle daher dafür einen anderen Begriff für diese Arbeit – Choreografisches Theater.

Und wo taucht bei Dir der Tanz auf?

Menschen haben oft eine sehr klare Vorstellung davon, was Tanz ist oder sein soll, ist mein Eindruck über die vielen Jahre. Der Begriff der Choreografie scheint hingegen oftmals diffus, obwohl darin meine eigentliche Arbeit besteht: ‚Bewegungsmaterial’ in die Probe mitzubringen, Alltagsbewegungen, manchmal Dinge oder Requisiten, die dann von der Gruppe so weiterentwickelt und verarbeitet werden, dass eine ‚Tanzszene’ entsteht. In „Hive Mind“ benutze ich beispielsweise die grünen Metallfässer. Sie wirken wie Gehäuse oder Bienenwaben, und schenken mir viel theatralische Möglichkeiten.

Sebastian, kannst Du beschreiben, wo Theater anfängt und der Tanz in Eurem Stück aufhört? Anders gefragt: Was ist spezifisch „Schauspiel“ oder „Theater“ in Kates Choreografischem Theater?

Es gibt in unserem Stück keine klare Trennung von Tanz und Theater, denn dass war die ursprüngliche Idee. Beides sollte ein fester Bestandteil dieser Performance sein und ich denke, das ist uns auch gelungen. Es überwiegen die tänzerischen Aspekte, die jedoch immer wieder mit theatralen Momenten erweitert und verändert werden. Eine Szene, die das sehr deutlich macht, gibt es am Ende des Stückes, wenn eine neue Königin den Thron besteigt. Aber diese Schnittstellen von Tanz und Theater lassen sich im ganzen Stück finden.

Kate, was hat Dich bei dieser Arbeit zwischen Tanz und Schauspiel berührt?

Mich hat am meistens das dankbare Vertrauen berührt, das mir die Gruppe in der Zusammenarbeit entgegengebracht hat. Sie haben mir vertraut, dass ich sie durch einen kreativen Arbeitsprozess zu führen vermag, der in einen Auftritt in einem richtigen Theater mündet. Ich fühle mich beschenkt: Mit ihren Bildern und Bewegungen machen sie auf der Bühne meine Geschichten sichtbar.

Sebastian, was hat Dich an Eurer Zusammenarbeit und mit der Gruppe am meisten fasziniert?

Am meisten hat mich die Tatsache fasziniert, wie engagiert die Gruppe im ganzen Prozess war. Es ist nicht einfach Menschen mit unterschiedlichen künstlerischen Vorerfahrungen in einem Projekt zusammenzubringen, aber die Ausdauer, Energie und Geduld, die jeder Einzelne mitgebracht hat, war der Schlüssel dafür, dass wir jetzt etwas präsentieren können. Ein Highlight war für mich auch die Tatsache, dass jeder dass eingebracht hat, was er kann, sich aber auch auf neue Sachen eingelassen hat. Alle sind gewissermaßen über ihren Schatten gesprungen, wie auch wir, als wir uns entschieden hatten, dieses Projekt zu machen.

Kate, Du wirst nächstes Jahr sechzig Jahre alt. Was beobachtest Du an Dir, wie hat sich Deine Kreativität entwickelt? Anders gefragt: Was interessiert Dich am Tanz heute?

Der kreative Drang verschwindet mit zunehmendem Alter bei mir ‚leider’ nicht. ‚Dance moves me!’- Tanz ist die einzige künstlerische Ausdrucksform, in der ich mich weiterhin vertraut bewege. Meinen inneren Bildern Ausdruck zu verleihen, ist das, was mir an der künstlerischen Arbeit gefällt. Unser Projekt im Rahmen des 720-Stunden-Festivals im UnterwegsTheater erweist sich daher für alle, wie ich finde, als ‚win-win-Situation’. Ich spüre, ich habe viel zu geben und die jungen Tänzerinnen und Tänzer, die sich hier für „Hive Mind“ zusammengefunden haben, schenken mir ihr Vertrauen und ihre Zeit. Dem UnterwegsTheater verdanken wir die Möglichkeit, unter professionellen Bedingungen proben und performen zu können. Das genießt dann hoffentlich unser Publikum.

Veröffentlicht am 22.09.2016, von Alexandra Karabelas in Homepage, Leute

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