HOMEPAGE



Hamburg

ROMEO UND JULIA IN JOHANNESBURG

Jessica Nupens Version „Romeo & Juliet/Rebellion & Johannesburg“ auf Kampnagel in Hamburg



Die Version des Shakespeare-Klassikers, die Jessica Nupen da präsentierte, ist so ganz anders als das, was man bisher mit dieser never ending story in Zusammenhang brachte. Und sie ist grandios.


  • „Romeo & Juliet/Rebellion & Johannesburg“ von Jessica Nupen Foto © Ed Blignaut
  • „Romeo & Juliet/Rebellion & Johannesburg“ von Jessica Nupen Foto © Tanja Hall
  • „Romeo & Juliet/Rebellion & Johannesburg“ von Jessica Nupen Foto © Tanja Hall
  • „Romeo & Juliet/Rebellion & Johannesburg“ von Jessica Nupen Foto © Tanja Hall
  • „Romeo & Juliet/Rebellion & Johannesburg“ von Jessica Nupen Foto © Tanja Hall
  • „Romeo & Juliet/Rebellion & Johannesburg“ von Jessica Nupen Foto © Ed Blignaut
  • „Romeo & Juliet/Rebellion & Johannesburg“ von Jessica Nupen Foto © Tanja Hall
  • „Romeo & Juliet/Rebellion & Johannesburg“ von Jessica Nupen Foto © Tanja Hall

„Nicht schon wieder“, mochte so mancher gedacht haben, als im Kampnagel-Oktober-Programm der Titel „Romeo & Juliet/Rebellion & Johannesburg“ auftauchte. Ich gestehe: ich auch. Und leiste unverzüglich Abbitte, denn die Version des Shakespeare-Klassikers, die Jessica Nupen da präsentierte, ist so ganz anders als das, was man bisher mit dieser never ending story in Zusammenhang brachte. Und sie ist grandios.

Jessica Nupen, selber weißhäutig und in Südafrika in einem Anti-Apartheid-Elternhaus groß geworden, weiß genau, wovon sie spricht. Die Bewegungssprache der Schwarzen ist ihr offenbar in Fleisch und Blut übergegangen – niemals hätte man gedacht, dass dieses Stück von einer Weißen choreografiert worden ist. Mit „Romeo & Juliet/Rebellion & Johannesburg“ gelang ihr ein ebenso mitreißendes wie tiefgründiges Werk, sprühend vor Lebensfreude, aber auch bewegend in seiner Melancholie, urkomisch und traurig zugleich – und immer voller Energie. Jessica Nupen zündet eine Stunde lang ein Feuerwerk an Einfällen mit zahllosen Anspielungen an afrikanische Traditionen – vom Sangoma, dem heiligen Medizinmann, der einmal durchs Publikum geistert, bis zum Bemalen des Körpers mit flüssiger Farbe. Aber ebenso mit Reminiszenzen an die afrikanische Großstadt-Wirklichkeit (im Video im Hintergrund).

Dass das so brillant gelungen ist, liegt auch an den großartigen acht Tänzern der Compagnie Moving Into Dance Mophatong aus Johannesburg. Sechs Männer, zwei Frauen bieten teilweise atemberaubend artistischen Streetdance vom Feinsten, einzeln ebenso wie zu zweit oder im Ensemble. Da sitzt jede Geste, jeder Schritt, jedes Kopf- und Powackeln, als sei es aus dem Moment heraus gerade erst geboren worden. Genial der Hula-Tanz von Asanda Ruda (oder ist es Thenjiwe Soxokoshe? Der Programmzettel ist wie immer mehr als dürftig und gibt wenig her, wenn es darum geht, die einzelnen Tänzer zu identifizieren), bei dem sie aus dem Gitter ihres stilisierten Gefängnisses (vier bunte Hula-Reifen, mit flexiblen Bändern verbunden) steigt und es am Hals und am Körper kreisen lässt.

Die Musik von Spoek Mathambo tut ein übriges, indem sie das ganze in mitreißende Rhythmen und elegische Melodien einbettet. Bühnenbild und Kostüme (von Anmari Honiball) zeigen, dass es nicht viel braucht, um Atmosphäre zu schaffen: Stofffetzen werden zu farbenfrohen afrikanischen Umhängen, graue Müllsäcke ergeben zusammengeschweißt ein riesiges Luftkissen und – ohne Luftpolster – einen malerischen Umhang, und aus einem simplen Tisch wird unversehens ein Kleinbus. Simple Putzeimer werden – mit farbigen Klebebändern umrundet – zu Hockern, Rutsch-Podesten oder Hüten. Mit Shakespeares Liebespaar hatte das alles nur noch am Rande zu tun, aber das ist völlig gleichgültig. Denn das Thema selbst – Liebende, die nicht zueinander kommen können – ist ein ewiges und auf jegliche Situation übertragbar.

Bleibt zu wünschen, dass diese junge Choreografin schnellstmöglich die Chance bekommt, mehr von ihrem Können zu zeigen.

Veröffentlicht am 12.10.2015, von Annette Bopp in Homepage, Kritiken 2015/2016

Dieser Artikel wurde 1413 mal angesehen.



Kommentare zu "Romeo und Julia in Johannesburg "



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    LEUTE AKTUELL


    "EINE GROßE EHRE"

    Tarek Assam zum Sprecher der Bundesdeutschen Ballett- und Tanztheaterdirektoren Konferenz gewählt
    Veröffentlicht am 05.05.2017, von Dagmar Klein


    BOTSCHAFTER DES TANZTHEATERS

    Der Schweizer Choreograf Gregor Zöllig spricht mit Kirsten Pötzke über seine Wurzeln, die Begeisterung für den Tanz und die Arbeit mit Profis und Laien
    Veröffentlicht am 20.04.2017, von Kirsten Poetzke


    EINE JUNGE KOMPANIE FÜR BERLIN

    Marion Heinrich im Gespräch mit den Intendanten des „Landesjugendballetts Berlin“
    Veröffentlicht am 31.03.2017, von Gastautor



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    TANZ- UND PERFORMANCE-PROGRAMM IM RAHMEN DES BEETHOVENFESTS

    Vom 8. September bis 1. Oktober in Bonn

    In den letzten zwei Jahren öffnete sich das Beethovenfest zeitgenössischen »jungen« Kunst-Sparten. Auch das diesjährige Festival widmet sich den tänzerischen und performativen Formen der Gegenwart.

    Veröffentlicht am 01.04.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ATEMBERAUBEND GRENZÜBERSCHREITEND: HOMÖOPATHIE UND TANZ

    „Sepia tanzt alleine“ von Andrea Simon, Andreas Etter, Ulrich Koch und Gesina Habermann verbindet Tanz und Medizin in beeindruckend schönen Bildern
    Veröffentlicht am 10.02.2017, von Sabine Kippenberg


    DIONYSOS UND APOLLON IM STREIT

    Demis Volpis „Tod in Venedig“ als Koproduktion von Ballett und Oper in Stuttgart
    Veröffentlicht am 09.05.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    STANDING OVATIONS

    Pick bloggt über die Gastspielreise des Bundesjugendballetts und -orchesters
    Veröffentlicht am 16.01.2017, von Günter Pick

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    GEOMETRISCHER TANZ, WILDE MUSIK

    Die Michael Clark Company eröffnete das Internationale Sommerfestival auf Kampnagel

    Veröffentlicht am 11.08.2017, von Annette Bopp


    SALZ AUF UNSERER HAUT

    Ein Blog zu zwei Workshops mit Virginie Roy und Doris Uhlich bei der Tanzwerkstatt Europa in München

    Veröffentlicht am 15.08.2017, von Carmen Kovacs


    AFRIKANISCHE POLITREALITÄT

    Im Hebbel am Ufer begann „Tanz im August“ mit „Kalakuta Republik“ von Serge Aimé Coulibaly

    Veröffentlicht am 15.08.2017, von Volkmar Draeger


    „MATILDA“ FREIGEGEBEN

    Trotz öffentlicher Proteste der orthodoxen russischen Kirche darf der Film in ganz Russland gezeigt werden

    Veröffentlicht am 11.08.2017, von tanznetz.de Redaktion


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion



    BEI UNS IM SHOP