„Clubbing“ von Keren Levi im Pumpenhaus Münster

„Clubbing“ von Keren Levi im Pumpenhaus Münster

Bewegung hören

Deutsche Erstaufführung von Keren Levi in Münster

Levis neue Performance „Clubbing“ ist ein Hörspiel, in dem es viel zu sehen gibt. Sie fechten mit Gummiknüppeln, Holzstangen und Latten. Sie hauen auf die Pauke, streicheln Cellosaiten, tasten mit Wirbeln und Klöppeln über Trommel und Xylophon.

Münster, 13/04/2015

Sie fechten mit Gummiknüppeln, Holzstangen und Latten. Sie hauen auf die Pauke, streicheln die Cellosaiten, tasten mit Wirbeln und Klöppeln über Trommel und Xylophon. Eine beißt dicht am Mikrophon in Selleriestangen, dass es laut kracht. Eine andere rührt mit dem Sektquirl im zerstoßenen Eis, dass es klingt wie Schritte über Kies. Die Dritte setzt die Salatschleudern mit dem Fuß in rasante, pfeifende Bewegung.

Keren Levis neue Performance „Clubbing“ (auf deutsch: zuhauen und prügeln), die am Wochenende in Münsters „Theater im Pumpenhaus“ ihre Deutsche Erstaufführung erlebte, ist vor allem ein Hörspiel. Es gibt viel zu hören – aber auch zu sehen, vieles auf einmal oder in schneller Abfolge. Wirklich getanzt wird herzlich wenig – ganz im Gegensatz zu Levis grandiosen Schattenspielen von vier Frauen in „The Dry Piece“, das am selben Ort vor zwei Jahren zuerst in Deutschland aufgeführt wurde. Kindliche Hüpfspiele sieht man allenfalls und Andeutungen von Stepptanz und Schuhplattler. Küchenlatein und Kauderwelsch mixt die in Amsterdam beheimatete Israelin, die selbst ganz in altmodischem Weiß auftritt mit dem hochmütig strengen Gesichtsausdruck einer Biedermeierdame, um mit gebotener Akkuratesse eine steife, gestreifte Schürze anzulegen, bevor sie sich in der Küche zu schaffen macht.

Schein und Sein, High Tech und unverbildete Kindlichkeit begegnen sich. Heimisch und fremd vereint am sichtbarsten Yui Nakagami: die Japanerin tritt in Lederhosen mit blau-weiß kariertem Hemd und Gretelzopffrisur auf. Oft geht‛s laut zu, manchmal ganz leise. Was die sechs Darstellerinnen in ihrer Muttersprache oder gebrochenem Deutsch oder vielleicht auch irgendeinem Kauderwelsch in die überall präsenten Mikrophone sprechen, bleibt meist völlig unverständlich. Oder hören wir einfach nur nicht genau genug hin? Ist es egal, ob einer laut isst oder um Hilfe schreit?

Nach einer Stunde werden alle „Spielzimmer“ fein säuberlich zugedeckt – so wie das Bürgertum früher die Sommermöbel im Landhaus einmottete. Zwei Damen in asiatischen Morgenmänteln, wie man sie hierzulande in Billigläden zu kaufen bekommt, treiben gepflegte Konversation – die eine lässig, die andere artikuliert sehr deutlich Entschuldigungen (“Entschuldigung!“ „Excuse me!“).

Es ist ein anstrengendes Stück, weil es so banal und als „work in progress“ – noch auf der Suche nach Sinn und Form – überkommt. Vielleicht denkt der Zuschauer gerade deshalb am nächsten Morgen noch lange drüber nach.

Für das Programm des Pumpenhauses ist „Clubbing“, am Vorabend des 30. Geburtstages des kleinen Aufführungsortes großer Tanzavantgarde aus aller Welt, typisch – was einmal mehr den Mut und die Weitsicht des Hausherrn Ludger Schnieder unter Beweis stellt.

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