HOMEPAGE



Karlsruhe

ES GESCHEHEN NOCH ZEICHEN UND WUNDER

"Ein Abend für Birgit Keil" am Staatstheater Karlsruhe



Eine außergewöhnliche Künstlerin wird geehrt und man verkündet: Der auslaufende Vertrag der Ballettdirektorin des Staatstheaters Karlsruhe wird um weitere vier Jahre verlängert!


  • Birgit Keil Foto © Frank Eppler

Von Günter Pick

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Eine außergewöhnliche Künstlerin wird geehrt und man klopft ihr nicht nur aus Anlass ihres runden Geburtstages auf die Schulter oder überreicht ihr eine Silbernadel, sondern der Hausherr, Laudator und Intendant Peter Spuhler, verkündet: Der auslaufende Vertrag der Ballettdirektorin des Staatstheaters Karlsruhe wird um weitere vier Jahre verlängert! Riesenapplaus! Und bedeutet, das viel besprochene Ballettwunder am Staatstheater kann sich festigen und muss nicht wie das Stuttgarter Ballett nach dem Tod von John Cranko durch unvermeidliche Krisen gehen, um aus eigener innerer Kraft zu einer Kontinuität zu finden.

Ich werde jetzt nicht wie im bis auf den letzten Platz mit Festgästen gefüllten Auditorium, sämtliche Prominente und Wegbegleiter von Birgit aufzählen, denn das würde ausufern, wie es bei solchen Veranstaltungen unvermeidbar ist. Ich glaube mich zu erinnern, dass es sechs Laudatoren gab, die ihre Ansprachen offenbar abgesprochen hatten, indem sie nicht alle den Lebenslauf zur Grundlage ihrer Rede machten, sondern den Menschen, die Ballerina, die Professorin, die Stiftungsleiterin und nicht zuletzt die Ballettdirektorin. Auch diese Tatsache spricht für die Geehrte: Wer kann schon für so viele spannende Seiten gelobt werden? Dabei ist noch nicht erwähnt: Wiebke Hüster, die mit Birgit nach der Pause ein freundschaftliches Gespräch über das eben erschienene Buch im Henschel Verlag führte. Aber was wäre ein solcher Abend ohne Tanz? Und dieser war hochkarätig und wie zu hören war, hinter Birgits Rücken von ihrem Tanz- und Lebenspartner Wladimir Klos inszeniert, was zu zweitägigem Hausverbot für die Meisterin führte. Bravo Wladimir!

Auch das Badische Staatsorchester unter Leitung des Generalmusikdirektors Justin Brown ließ sich nicht lumpen und zollte der Jubilarin Tribut!

Die herrliche Alicia Amatriain mit Partner Alexander Jones eröffneten mit dem vertrakten "Aus Holbeins Zeit" die tänzerischen Beiträge und der Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts Demis Volpi gab zu diesem Cranko-Stück einen eigenen choreografischen Kommentar, der sowohl für Cranko als auch für die Hauptperson des Abends gleichermaßen als tiefe Verneigung und Wertschätzung gelten darf. Weitere großartige Stuttgarter Solisten - Miriam Kacerova, Marijn Rademaker und Roman Novitzky - verneigten sich vor Birgit mit der wunderbar poetischen Choreografie "Spuren im Schnee" aus Crankos "Brouillards". Sicherlich ein Lieblingsballett von und für Birgit Keil.

Das Solistenpaar Elena Vostrotina und Raphael Coumes-Marquet war aus Dresden angereist und erwies mit einem kaum zu überbietenden Höhepunkt Referenz in einem der besten Pas de deux "In the middle somewhat elevated" von William Forsythe. In dessen Uraufführung von Henzes "Orpheus" hatte Birgit die tragische Euridike dargestellt, eine ihrer erstaunlichsten Rollen, die man nicht vergessen wird...

Thiago Bordin, der Hamburger Startänzer - wie Alicia Amatriain von der Tanzstiftung gefördert - brachte sein Solo "Huf Huf" mit, das er offenbar in schlaflosen Nächten erdacht hatte und vielleicht schon von seinem Entschluss beeinflusst war, Hamburg zu verlassen und zum Nederlands Dans Teater zu wechseln. Eine mutige Entscheidung. Wir sahen aber noch ein großes Stück von Thiago zu Musik von Jean Sibelius, das eine sehr eigene Handschrift erkennen lässt, wenn auch der Übervater John Neumeier atmosphärisch zugegen sein schien - was kein Negativum ist! Von der Karlsruher Kompanie mit Flavio Salamanka und Bruna Andrade, stellvertretend für alle anderen, wurde dieses Werk durch ernsthaftes Engagement und großes Können zu einem unbestrittenen Erfolg.

Nun würde man denken, das war's. Aber der Knaller dieser Geburtstagsgala war das neue Ensemble-Stück "Presente" von Reginaldo Oliveira, Mitglied des Staatstheaters und Nachwuchschoreograf. Ein überaus mitreißendes Stück zu brasilianischen Rhythmen, denen man sich nicht entziehen kann, und so rutscht man auf seinem Sessel mit den Tänzern hin und her. Die haben offensichtlich Spaß an dem, was ihr Choreograf sich da hat einfallen lassen. Hoffentlich verliert Reginaldo diese Leichtigkeit nicht, sie ist so selten auf deutschen Bühnen. Dieses Stück war raffinierter Weise der Pausenschluss und nicht das Ende, sonst hätte man noch längere Standing Ovations, Lametta und noch mehr bunte Luftballons gebraucht. Die Rosen jedoch waren nicht zu überbieten.

Veröffentlicht am 02.10.2014, von Gastautor in Homepage, Blogs, Tanz im Text

Dieser Artikel wurde 1683 mal angesehen.



Kommentare zu "Es geschehen noch Zeichen und Wunder"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    BIRGIT KEIL BLEIBT BIS SOMMER 2016 BALLETTDIREKTORIN DES STAATSBALLETTS KARLSRUHE

    Verlängerungsverträge für Birgit Keil und Vladimir Klos

    Veröffentlicht am 13.12.2012, von Pressetext


    VOM "FILM NOIR" INSPIRIERT

    "Série Noire" von Terence Kohler

    Veröffentlicht am 24.06.2010, von Malve Gradinger


    ARG KLASSISCH GERATEN

    „Junge Choreografen“ beim Karlsruher Ballett

    Veröffentlicht am 12.07.2010, von Angela Reinhardt


    SCHULD, ERINNERUNG, TÄUSCHUNG

    Choreografien von Reginaldo Olivera, Timm Plegge und Jörg Mannes beim Ballettabend „Mythos“

    Jörg Mannes, seit 2005 Ballettdirektor in Hannover, ist ein Choreograf so recht nach dem Geschmack der Karlsruher Ballettdirektorin Prof. Birgit Keil. Die ehemalige Stuttgarter Primaballerina und strenge Verfechterin klassischer Tanztradition weiß um die Wirksamkeit großer Handlungsballette.

    Veröffentlicht am 23.03.2014, von Isabelle von Neumann-Cosel


    BALLETTKOMPANIE UNTER DER LEITUNG VON BALLETTDIREKTORIN BIRGIT KEIL WIRD STAATSBALLETT

    In der 10. Spielzeit unter der Leitung von Birgit Keil

    Veröffentlicht am 19.11.2012, von Pressetext


    BALLETTDIREKTION BIS 2019 VERLÄNGERT

    Birgit Keil und Vladimir Klos bleiben bis Sommer 2019 in Karlruhe

    Direkt vor der ersten Premiere der Spielzeit im BALLETT unterzeichneten Birgit Keil und Vladimir Klos ihre Verlängerungsverträge bis zum Sommer 2019 und vereinbarten so mit Generalintendant Peter Spuhler eine weitere Zusammenarbeit am STAATSTHEATER KARLSRUHE.

    Veröffentlicht am 17.11.2014, von Pressetext


     

    LEUTE AKTUELL


    AUF NEUEN WEGEN

    Bettina Wagner-Bergelt verlässt das Bayerische Staatsballett
    Veröffentlicht am 29.08.2017, von tanznetz.de Redaktion


    "EINE GROßE EHRE"

    Tarek Assam zum Sprecher der Bundesdeutschen Ballett- und Tanztheaterdirektoren Konferenz gewählt
    Veröffentlicht am 05.05.2017, von Dagmar Klein


    BOTSCHAFTER DES TANZTHEATERS

    Der Schweizer Choreograf Gregor Zöllig spricht mit Kirsten Pötzke über seine Wurzeln, die Begeisterung für den Tanz und die Arbeit mit Profis und Laien
    Veröffentlicht am 20.04.2017, von Kirsten Poetzke



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    „CHARLOTTE SALOMON – DER TOD UND DIE MALERIN“

    Ballett mit Gesang von Ballett mit Gesang von Bridget Breiner und Michelle Di Bucci am Musiktheater im Revier

    „Heben Sie das gut auf, es ist mein ganzes Leben“.

    Veröffentlicht am 31.08.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ATEMBERAUBEND GRENZÜBERSCHREITEND: HOMÖOPATHIE UND TANZ

    „Sepia tanzt alleine“ von Andrea Simon, Andreas Etter, Ulrich Koch und Gesina Habermann verbindet Tanz und Medizin in beeindruckend schönen Bildern
    Veröffentlicht am 10.02.2017, von Sabine Kippenberg


    DIONYSOS UND APOLLON IM STREIT

    Demis Volpis „Tod in Venedig“ als Koproduktion von Ballett und Oper in Stuttgart
    Veröffentlicht am 09.05.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    VERBOTEN, VERSCHOBEN, VERGESSEN?

    Zur Absage der Uraufführung „Nurejew“ des Regisseurs Kirill Serebrennikow und des Choreografen Juri Possochow am Moskauer Bolschoi-Theater
    Veröffentlicht am 18.07.2017, von Boris Michael Gruhl

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    DEUTSCHLAND BLEIBT TANZLAND

    Das Spielzeitheft Nr. 4 ist da!

    Veröffentlicht am 30.08.2017, von tanznetz.de Redaktion


    BEWEGUNGS-FREIHEITEN

    Boris Charmatz: „A dancer's day“ auf Tempelhofer Flughafen im Hangar 5

    Veröffentlicht am 18.09.2017, von Miriam Althammer


    MIKHAIL BARYSHNIKOV ERHÄLT DEN PREMIUM IMPERIALE INTERNATIONAL ARTS AWARD

    Am 18. Oktober wird der amerikanische Tänzer und Choreograf für sein Lebenswerk ausgezeichnet

    Veröffentlicht am 16.09.2017, von tanznetz.de Redaktion


    BESCHWINGT UND HEITER – VOM FEINSTEN

    Eine glanzvolle Wiederaufnahme von „Chopin Dances“ mit zwei Choreografien von Jerome Robbins anlässlich dessen 100. Geburtstags beim Hamburg Ballett

    Veröffentlicht am 20.09.2017, von Annette Bopp


    DAS LEISE AUSATMEN DER HÄNDE

    In Dresden geht die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Tanzerbe Mary Wigmans weiter

    Veröffentlicht am 14.09.2017, von Rico Stehfest



    BEI UNS IM SHOP