HOMEPAGE



Kassel

TANZ & TOD

Sonderausstellung und Katalogbuch des Museum für Sepulkralkultur in Kassel



Vom Totentanz über den Butoh hin zum taiwanesischen Poledance mit auf Beerdigungen tanzenden Stripperinnen - die Ausstellung "tanz und tod" im Museum für Sepulkralkultur zeigt viele und vor allem neue Facetten des Themas.


  • Entree. "tanz&tod" im Museum für Sepulkralkultur in Kassel.
  • Horst Janssen, Pfänderspiel 1983 Foto © Museum für Sepulkralkultur, Frank Hellwig
  • Marlen Seubert: "Bewegte Objekte" Foto © Marlen Seubert
  • Tadashi Endo in "IKIRU-Hommage an Pina Bausch" Foto © Olaf Heine
  • Pina Bausch „Ein Trauerspiel“ 1994 Foto © Bettina Stöß,
  • Blick in die Ausstellung mit hessischen Trauertrachten und Tanzvideo von Angela Hiß Foto © Ausstellungskatalog

Tanz steht für Leben und Ekstase, Tod steht für Erstarrung und das Ende. Gegensätzliche Pole also. Genau betrachtet haben alle großen Bühnenballette mit dem Tod zu tun. Das erste stilbildende im Nachhall der Romantik: „Giselle“ (1841) ebenso wie „Die roten Schuhe“. Beide basieren auf Märchenvorlagen, beide werden bis heute umgesetzt. Auch beim neuen Tanz des 20. Jahrhunderts ist der Tod integraler Bestandteil vieler Stücke, beginnend mit dem zum Klassiker gewordenen „Sacre du Printemps“ (Nijinsky) und dem zeitlosen, bis heute unverändert aufgeführten Antikriegsstück „Der grüne Tisch“ von Kurt Jooss.

Das Museum für Sepulkralkultur in Kassel ist spezialisiert auf das Thema Tod in all seinen kulturgeschichtlichen Facetten. Die Kombination Tanz & Tod wurde schon mehrfach in Ausstellungen und Katalogbüchern vorgestellt, jeweils unter verschiedenen Aspekten. Zuerst war es die Ausstellung „Tanz der Toten – Todestanz“ (1998), die in rein kunsthistorischer Perspektive diese Tradition der monumentalen Wandbilder betrachtete. Dann folgte in „Venerdi santo – Totentanz und Kreuzweg“ (2002) die Konfrontation des Leidenswegs Jesu mit zeitgenössischer Kunst, ein Aspekt, dem sich auch der historische Lübecker Totentanz 2007 beugen musste.

Die aktuelle Ausstellung ist bunter, bewegter und international. Gezeigt wird Tanz als unmittelbarer Ausdruck von Gefühlen, als ein Kommunikationsmittel, das „die Beziehungen zwischen Trauernden und Toten“ regelt. Dieser Teil ist eher volkskundlich und international angelegt. Die vielfältigen Ausdrucksformen, die das Thema in der Bildenden Kunst bekommen hat, beeinflussten auch die tänzerische Ausdrucksvielfalt. Dies wird besonders deutlich in den 1920er Jahren, als der neue Tanz sich von expressiven Bildern eines Nolde und den ausdrucksstarken Trauerdarstellungen einer Kollwitz inspirieren ließ.

Fraglos im Heute angekommen sind dann Berichte zum Poledance von tanzenden Stripperinnen auf Beerdigungen in Taiwan oder von Modenschauen, bei denen die Gesichter der Models wie Skelette geschminkt wind. Das Verbot für Tanzveranstaltungen an bestimmten christlichen Feiertagen wird von seiner historischen Herkunft erklärt, die mit der Körperfeindlichkeit des Christentums zu tun hat.

So wie die Ausstellung mit vielen, auch bewegten Bildern arbeitet, für die neuere Zeit bemerkenswerte Tanzfotografien zeigt, so ist auch der zwar schmale, aber gehaltvolle Katalog mit zahlreichen Abbildungen bereichert. Die Objekte der Ausstellung verlieren ihre Dreidimensionalität, doch ist die Totenmaske von Mary Wigman auch in der Abbildung immer noch sehr eindrucksvoll.

Die Ausstellung läuft bis 8. September, zum Rahmenprogramm gehören mehrere Auftritte des Butoh-Tänzers Tadashi Endo, der zur Finissage eine Hommage à Pina Bausch performen wird. Der Katalog ist für 15 € im Museum erhältlich, ISBN 978-3-924447-51-9.

Veröffentlicht am 18.06.2013, von Dagmar Klein in Homepage, Themen, Tanz im Text

Dieser Artikel wurde 2713 mal angesehen.



Kommentare zu "tanz & tod "



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    TÄNZER SIND WIE ZUTATEN FÜR KULINARISCHE DELIKATESSEN

    Mei Hong Lin verlängert in Linz
    Veröffentlicht am 27.05.2016, von Marieluise Jeitschko


    200 JAHRE TANZ IN EINER STUNDE MIT CRISTIAN DUARTE

    „The Hot 100 Choreographers“ beim „Projeto Brasil“ in Hellerau
    Veröffentlicht am 27.05.2016, von Boris Michael Gruhl


    BETÖREND UND AUCH VERSTÖREND

    Das Ballett Theater Basel begeistert mit Werken von Itzik Galili und Hofesh Shechter
    Veröffentlicht am 25.05.2016, von Marlies Strech



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    PREMIERE "JEWELS" AM 21. MAI 2016

    Neoklassisches Ballett von George Balanchine am Staatsballett Berlin

    „Jewels“ ist eine Choreographie von George Balanchine mit eigens für das Staatsballett entworfenen Kostümen des spanischen Designers Lorenzo Caprile und neuem Bühnenbild von Pepe Leal.

    Veröffentlicht am 14.05.2016, von Pressetext

    LETZTE KOMMENTARE


    DIE LETZTE BEWEGUNG EINES TANZES BILDET IMMER DEN ANFANG EINER NEUEN

    Der Dresdner Tänzer und Choreograf Manfred Schnelle ist im Alter von 80 Jahren verstorben
    Veröffentlicht am 18.02.2016, von Boris Michael Gruhl


    EIGENE FANTASIE UND FREMDE TRÄUME

    Das „Alonzo King Lines Ballet“ im Ludwigshafener Pfalzbau
    Veröffentlicht am 13.05.2016, von Isabelle von Neumann-Cosel


    EIN WICHTIGER FREUND DES TANZES IST VON UNS GEGANGEN

    Pick bloggt zum Tod von Lothar Späth
    Veröffentlicht am 20.03.2016, von Günter Pick

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    WILLKOMMEN IN DER HALLE!

    20 Jahre cie. toula limnaios

    Veröffentlicht am 20.05.2016, von Karin Schmidt-Feister


    JOHN NEUMEIER UND ALEXANDRE RIABKO BEIM PRIX BENOIS DE LA DANSE GEEHRT

    Höchste Auszeichnungen der Tanzwelt in Moskau verliehen

    Veröffentlicht am 20.05.2016, von Pressetext


    KONTRAPUNKTE ZUR BILDSCHÖNEN BALLETTWELT

    „Ballet – Photographs of the New York City Ballet“ in der Photobastei Zürich

    Veröffentlicht am 27.03.2014, von Sulamith Ehrensperger


    URSULA KAUFMANN WIRD 70!

    Die Tanz- und Theaterfotografin feiert heute ihren Geburtstag

    Veröffentlicht am 20.05.2016, von tanznetz.de Redaktion


    TANZVERBOTE, HAPPENINGS UND UTOPIEN

    Die Ausstellung „Das Echo der Utopien – Tanz und Politik“ im Tanzmuseum Köln

    Veröffentlicht am 20.05.2016, von Marieluise Jeitschko



    BEI UNS IM SHOP